"Jeder kann Brandstifter werden"
Gespräch mit dem ZauberKÜNSTLER Ulrich Rausch
über sein Programm "Brandstifter - Ein gefährlicher Abend!"
Wir erleben bei Ihnen eine Zauber-Show, die ganz anders ist als das, was man sonst kennt.
Ulrich Rausch: Die ZauberKUNST kann, wie das Theater oder die Musik, ganz unterschiedliche Themen ansprechen und diese auf unterschiedliche Weise interpretieren. In diesem Programm versuche ich, abseits von der Comedy-Zauberei, nachdenkenswerte Themen zur Sprache zu bringen.
Was steht bei Ihnen im Mittelpunkt: Zauberei oder politisches Kabarett?
Ulrich Rausch: Weil ich von der Zauberei komme, natürlich die ZauberKUNST. Denn damit kann ich Bilder erzeugen, Verblüffungs- und Irritationsmomente schaffen, die schon für sich zum Nachdenken anregen. Und damit sie nicht Selbstzweck sind, kommen die passenden Kabaretttexte dazu.
Was ist zuerst: der Trick oder der Vortrag?
Ulrich Rausch: Zuerst habe ich das Thema, dann suche ich nach Bildern, die das Thema illustrieren, und dann werden die Kunststücke dazu entwickelt. Am Beispiel der ersten Nummer kann ich das vielleicht ganz leicht deutlich machen: Dass ich z.B. als ein Thema Neonazis nehmen werde, war im Entwicklungsprozess schon sehr früh klar. Als Bild für die Bedrohung, das Gefährliche und Zerstörerische habe ich dann die Rose gefunden, die mehrmals die Gefährdung und die Zerstörung durchleiden muss. Nachdem das Bild klar war, habe ich in einer intensiven Zusammenarbeit mit einem Illusionsbauer die Effekte kreiert. Und so sehen die Zuschauer jeden Abend eine Illusion, die sie zum einen exklusiv nur bei mir sehen können, zum anderen, die nur und genau für dieses Thema entwickelt wurde.
Die Texte schreiben sie alle selbst?
Ulrich Rausch: Fast alle Texte bis auf drei Ausnahmen sind von mir. Ich habe wunderbare literarische Texte gefunden, die genau zu meinen Bildern passen. Und so bin ich Heinz Rudolf Kunze und Mathias Hoffman dankbar, dass sie mir erlaubt haben, ihre Texte zu verwenden. Und Lucio Dalla, der sehr an diesem Projekt interessiert war, hat mir erlaubt, sein Lied Henna ins Deutsche zu übertragen und hier abzudrucken. Darüber hinaus inspiriert mich Literatur, Musik und die bildende Kunst.
Gibt es Tabus?
Ulrich Rausch: Bei der Themenauswahl gibt es keine, bei der Darstellungsform sehr wohl.
Wer sind eigentlich die Brandstifter? Auf der Bühne tauchen keine auf.
Ulrich Rausch: Brandstifter, das ist für mich das Bild für Menschen, die leichtsinnig oder vorsätzlich Wörter schänden oder Menschen missbrauchen, und so vielleicht einen Großbrand auslösen. Beispielsweise Menschen, die darüber nachdenken, ob man Folter nicht erlauben sollte, die von einer "Personalentsorgung" sprechen, wenn sie Mitarbeitern im großen Stil kündigen wollen und sie damit zum Müll machen, oder die sich tatsächlich an dem Leben von anderen Menschen vergreifen. Kurz: Alle, die mit dem Feuer spielen. Und jeder steht in der Gefahr, mit dem Feuer zu spielen, zum Brandstifter zu werden.
Es erwartet uns ein schwerer Abend?
Ulrich Rauch: Ein gefährlicher Abend - wenn man bereit ist mitzugehen. Und dass man ab und zu auch etwas zu lachen hat, man schmunzeln muss, dann nicht nur, weil manchmal das Lachen befreiender ist als das Nachdenken.