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Gürtelrosen mit Fleurop behandeln
Thomas Klumb und Ulrich Rausch begeistern mit ihrem Programm das Gernsheimer Publikum
 
GERNSHEIM. Eine schwarze Leinwand, eine Requisitenkiste und ein Tisch genügen Thomas Klumb und Ulrich Rausch für ihr Kirchenkabarett "Abrakabaretta". Den Rest macht das Duo aus dem Kopf - wenn es nicht gerade wieder einmal den Pkw-Anhänger mit den Texten in Mainz vergessen hat. Aber dann darf das Publikum eben entscheiden, mit welcher Art von wahren Scharlatanen und echten Schwindlern sich die beiden auseinander setzen sollen. Da wurden dann per schriftlicher Umfrage zunächst Arzt, Koch, Friseur und Bestatter ermittelt. Zuvor bewies Klumb, in Worms geboren, in Biblis aufgewachsen und in Gernsheim Abitur gemacht ("Bei Mathe-Lehrern muss man mit allem rechnen."), dass er über Ortskenntnis verfügt: "Der Gernsheimer an sich ist katholisch, auch wenn es nur ein Hinweisschild zur evangelischen Kirche gibt. Die Evangelischen haben den kleinen Katholiken in sich." Dass "Schöfferstadt" von "Schöfferhofer" komme, gebe den Hinweis, dass es "hier keine anonymen Alkoholiker gibt, nur bekannte." Gemeinsam mit Partner Rausch (Pohlheim), katholischer Theologe, Trainer und Zauberkünstler, hangelte sich Klumb, ebenfalls Theologe und Öffentlichkeitsarbeiter der Diözese Mainz, von Rezept über Konzept, Zepter, Insignien, Initialen, Urbi et Aldi und Sanitär, weiteren Verhörern, deren nachfolgende Substantive freilich annähernd zu ahnen waren. Vom niedergelassenen Pathologen in Göttingen führten die Lachnummern schließlich zu Dr. Putzmunter, der Gürtelrosen mit Fleurop behandelt. Weil Biskin die Poren schließe sei es altbewährtes Hausmittel bei Durchfall. Rausch wollte gerne zaubern wie die Fernsehköche kochen: "Ich hab' da schon mal was für Sie vorbereitet ...". Er schaffte es unter dem Beifall des Publikums. Dem gefiel auch die Persiflage auf die vielen sogenannten Servicetelefone. Am Ende resigniert man vor der Maschine - wie im Leben also. Der Friseur entpuppte sich gleichzeitig als Werbepsychologe, der mit der Heckenschere hantierte. Mucksmäuschenstill war es im Publikum, als der Psychologenfriseur mit einer an NS-Diktion erinnernde Sentenz die Haltung rechter Glatzköpfe beschrieb. Auch Kabarett darf ernste Seiten zeigen. Die mit unglaublichem Witz und verblüffender Schlagfertigkeit aufwartenden Kabarettisten spielten immer wieder mit den kleinen und großen Schwächen der Menschen. Schwarzen Humor servierte Klumb als Bestatter: "Als Börsenmakler habe ich Kohle zu Asche gemacht, jetzt mache ich Asche zu Kohle." IKEA (Ich kriege euch alle) produziere für ihn den innen verspiegelten Klappsarg "Knoche-Box", den ersten ohne toten Winkel. Aber: "Die Stammkundschaft bleibt aus." Noch einmal tauchten Klumb und Rausch in die Niederungen einer Pfarrei hinab und bewiesen Ortskenntnis. Nicht ganz entschieden wurde die Rolle von Stadtpfarrer Harald Poggel. Er wurde - weil guter Prediger - zum Pater Leppich. In der zweiten Rolle verpasste ihm das Kabarett-Duo den Don Camillo, dessen "Tippse" Sylvia Fiedler mit Wonderbra ausgestattet ist. Gemeindereferent Markus Kiefer wird "the butler of Camillo". Bürgermeister Rudi Müller wurde zum "burger king of Gladshome". Und so entlarvten Thomas Klumb und Ulrich Rausch an einem vergnüglichen Abend mit einem Augenzwinkern manch echten Scharlatan und wahren Schwindler, ohne Bösartigkeit, dafür mit viel Humor.
(Darmstädter Echo 4.9.2007)
 
 
 
 

Kabarett kommt vor dem Kardinal
Kurzweiliger Auftakt zum 30-jährigen Bestehen der Gemeinde "St. Martin Pohlheim"
POHLHEIM (u). Mit einem unter dem Motto " ... und andere Scharlatane!?" stehenden unterhaltsamen kabarettistisch-magischen Abend eröffnete die katholische Pfarrgemeinde "St. Martin Pohlheim" am Samstag die Festlichkeiten zu ihrem 30-jährigen Bestehen. Dabei verbreiteten Kabarettist Thomas Klumb und der in Frankfurt geborene und seit langem in Rodgau wohnenden Theologe, Journalist, Trainer (für Lehrer) und Zauberkünstler Ulrich Rausch über zwei Stunden allerbeste Laune und begeisterten rund 190 Besucher im restlos besetzten Pfarrsaal in Watzenborn-Steinberg.
"Pohlheim ist ein selbstbewusstes Völkchen", hob Klumb anfangs hervor: "Die haben ja alles, was Mainz zu bieten hat. Ja dann kommt erst der Kräftige, das bin ich und eine Woche später kommt dann der andere Kräftige. Ich bin der Johannes des Kardinals, der Vorläufer. Wir machen immer zusammen Programm, ich bin für das Leichtere zuständig, er macht ein bisschen was Ernsteres. Er freut sich auch, dass er hinter mir kommt". Damit spielte Klumb darauf an, dass Karl Kardinal Lehmann, Bischof von Mainz und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, am kommenden Sonntag zum feierlichen Festgottesdienst nach Pohlheim kommen wird. Aufgeklärt wurde Klumb unter anderem von Rausch darüber, dass der Segen des Papstes nicht "urbi et aldi", sondern "urbi et orbi" heißt. Als Arzt wusste Klumb seinerseits zu berichten, dass sich viele Leute eine Krankheit nicht mehr leisten können und wegen ihrer Zipperlein nicht mehr zum Arzt gehen, sondern sich nach preisgünstigeren Lösungen umsehen. Den Leistenbruch lassen sie sich vom Raumausstatter beseitigen, bei einer Schilddrüsenerkrankung kaufen sie einfach Jod-SL-Körnchen, die Gürtelrose lassen sie sich bei Fleurop behandeln, Zahnplomben kann mittlerweile jeder Fahrer eines Geldtransporters erneuern. Prostata ist die Achillesferse der reiferen Jugend. Prostata als AchillesferseÜber den Beruf des Kochs wusste Rausch allerhand Wissenswertes zu berichten, während Klumb und Rausch beim Gespräch mit dem Ticketcenter von St. Martin für wahre Lachsalven sorgten. Als Bestatter brillierte Klumb, der zum Besten gab, dass fünf Prozent der Deutschen ein Intim-Pircing haben, die einzige Möglichkeit, den teuren Familienschmuck vor Hartz IV in Sicherheit zu bringen.Mit der neuen Sprache "Eurobisch", übersetzte Klumb die Vorgaben von Rausch: Pohlheim ist Pulhome, einige sind aus Garbenteich heißt demnach "some come from Strohhügel", andere sind aus Dorf-Güll: "others are from Jauche- village". An der Spitze steht Karl-Heinz Schäfer: "on the top of the charts ist Charlie Sheppard, he ist the Burger-King of Pulheim" Jakob Ernst Kandel, den Pfarrgemeinderatsvorsitzenden, bezeichnete er als Ayatola of the Pallaver Club. Auch als Leibwächter des Heiligen Vaters wusste Klumb viele Neuigkeiten zu berichten. Im unmittelbaren Bereich des Vatikans gibt es 670 Zivilangestellte, außerdem 325 Kleriker und etwa 100 Nonnen. Der Papst ist ein wenig besorgt über die jüngste Erhebung wonach nur acht Prozent dieser Nonnen Jungfrau sind, die anderen 92 Prozent sind Widder, Waage.... Die Pisa-Studie durfte bei den Kabarettisten, die katholische Theologie studiert haben und nur im äußersten Notfall lügen, natürlich nicht fehlen. Mit lang anhaltendem herzlichem Applaus wurden die vor Ideen sprühenden Kabarettisten verabschiedet.
(Giessener Anzeiger 27.08.2007)
 

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